Sauberes Trinkwasser – sichere Abwasserentsorgung

„Österreich hat eines der besten Trink- und Abwassersysteme der Welt. Dafür haben wir seit dem Jahr 1959 den stolzen Betrag von 55 Mrd. Euro investiert“, bilanziert Umweltminister Niki Berlakovich. Diese Netze von enormem Wert müssen gepflegt und erhalten werden, und die dafür nötige Finanzierung muss gesichert werden. Mit „VOR SORGEN“ tritt daher die Branche (ÖWAV und ÖVGW) zusammen mit Städte- und Gemeindebund, allen Bundesländern und dem Lebensministerium für den Erhalt der Trink- und Abwassernetze in Österreich auf.

Kommunen und lokale Wasser- und Abwasserverbände sowie alle interessierten Menschen und vor allem die EntscheidungsträgerInnen vor Ort werden in den kommenden Monaten mit Foldern, Plakaten und im Internet (www.wasseraktiv.at/vorsorgen) darüber informiert, wie wichtig es ist diese Systeme zu erhalten und was die besten Strategien und Maßnahmen sind.

Ein Online-Schnelltest für Gemeinden und Verbände ermittelt ab März 2013 den kommenden Investitionsbedarf für das Leitungsnetz der eigenen Gemeinde oder den eigenen Verband in einer ersten groben Analyse für die kommenden 10 Jahre. Die eigenen Erhaltungsbemühungen und Erfordernisse der Gemeinde können mit jenen anderer Kommunen verglichen werden. Gleichzeitig startet eine Informationstour durch alle neun Bundesländer mit Veranstaltungen und Events, die von einer kompakten Info-Ausstellung begleitet werden.

Insgesamt sind in Österreich ca. 165.700 Kilometer an öffentlichen Trink- und Abwasserleitungen verlegt. 9 von 10 Haushalte sind an die öffentliche Ver- und Entsorgung angeschlossen. Viele Trink- und Abwasseranlagen, die schon vor Jahrzehnten errichtet wurden, müssen nun oder in den nächsten Jahren erneuert werden. Geschieht das nicht, so droht eine Zunahme von typischen Schäden am System wie undichten Leitungen, Rohrbrüchen oder Verstopfungen. Also geht es um den Erhalt einer sicheren Trinkwasserversorgung auf höchstem Niveau und um den Schutz des Grundwassers vor Verunreinigungen aus Abwasserkanälen.

Hintergrundinformationen:

Schäden und deren Ursachen Keine Leitung hält ewig. Irgendwann kommt der Zeitpunkt für eine Sanierung. Und die Ursachen für Schäden können durchaus vielfältig sein. Oft reichen die stetig steigende Verkehrsbelastung und die Erschütterungen auf einer Straße, um im Untergrund Verformungen, Brüche oder Risse im Kanalsystem zu bewirken.

Apropos Risse: Schon feinste Öffnungen genügen und Pflanzenwurzeln können in den Kanal eindringen und diesen mit der Zeit verschließen. Auch nachträgliche Bauarbeiten an der Oberfläche oder neu verlegte Leitungen darüber und die dafür durchgeführte mechanische Verdichtung der Böden können zu Schäden im schon bestehenden Leitungsnetz darunter führen.

Werden Haushalte und Betriebe nachträglich an das Netz angeschlossen, so muss auf bautechnisch gut ausgeführte Verbindungsstellen geachtet werden. Sonst werden die Hauptleitungen mit der Zeit undicht. Und kein Material hält ewig: Wasserleitungen aus Metall können einer schleichenden Korrosion ausgesetzt sein und eine Betonummantelung in einem Wassersammelbehälter ist nach einigen Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit erneuerungsbedürftig.

Milliarden-Investitionen stehen ins Haus

In der Regel geht man von einer durchschnittlichen Lebensdauer der Leitungen von 50 bis 100 Jahren aus. Daraus resultiert dann ein jährlicher Erneuerungsbedarf in Höhe von mindestens 1 bis 2 Prozent des Netzes. Tatsache ist aber, dass die Erneuerungsraten bei kommunalen Anlagen in Österreich derzeit weit unter einem Prozent pro Jahr liegen und somit weit unter den technisch errechneten Zielwerten.

Dies muss sich künftig ändern, denn keine Leitung bleibt Jahrhunderte lang dicht. Die neuen Planungen der Gemeinden und Verbände in Österreich weisen schon jetzt in die künftig nötige Richtung. Bei der Investitionskostenschätzung 2012 für das Lebensministerium haben Gemeinden und Verbände für die kommenden 10 Jahre Investitionen in das Trink- und Abwassersystem in der Größenordnung von 7,3 Mrd. Euro angemeldet.

Mit 4,2 Mrd. Euro (58 %) stellen dabei die geplanten Erneuerungen der Systeme erstmals den größten Brocken dar. Dazu muss jedoch zum Vergleich betont werden, dass in Österreich seit dem Jahr 1959 ganze 55 Mrd. Euro in den Aufbau der Trink- und Abwassersysteme geflossen sind. Und viele Leitungen haben nun bereits ein Alter von 50 Jahren und mehr erreicht. So gesehen liegen auch die aktuellen Schätzungen der Kommunen für die Zukunft an der unteren Bandbreite dessen, was tatsächlich erforderlich sein wird.

Prüfen mit Blick ins Rohr

Die Lebensdauer der lokalen Trink- und Abwassernetze kann abhängig von der Qualität der ursprünglichen Bauausführung und den eingesetzten Materialien und Altersklassen sehr unterschiedlich ausfallen. Um genau zu wissen, wie viel und wo in die Erneuerung investiert werden muss, sollten die Netzbetreiber in regelmäßigen Abständen einen Blick in ihre Systeme werfen.

Kanäle werden dazu mit kleinen Kamera-Robotern bzw. Sonden befahren und Meter für Meter wird der Zustand elektronisch genau ausgewertet und in eigenen EDV-Systemen dokumentiert. Wasserleitungen können aufgrund des Innendrucks und der strengen Hygienestandards nur von außen untersucht werden. Hierfür werden Druckmessungen über bestimmte Leitungsstrecken oder eine Untersuchung mittels Abhören der Leitung (ähnlich dem Stethoskop-Abhören eines praktischen Arztes) angewandt.

In den letzten 10 Jahren ist in Österreich die Zahl der untersuchten Leitungen stark angestiegen.

Leitungskataster – die Vorsorgeplanung mit System

Alle Ergebnisse von Netz-Untersuchungen sollten elektronisch erfasst und in einem sogenannten „Leitungsinformationssystem“ oder „Leitungskataster“ mittels IT zusammen gefasst werden. Damit wissen die BetreiberInnen von Kanal und Trinkwasserleitungen stets mit wenigen Maus-Klicks ganz genau, in welchem baulichen und umweltrelevanten Zustand sich die einzelnen Systemteile befinden.

Der öffentlich geförderte Leitungskataster wird damit für AnlagenbetreiberInnen zum Planungstool schlechthin. Damit wird nämlich auch festgelegt, wann und wo Spülungen und Reinigungen, Inspektionen und Wartungen aber auch Reparaturen und Sanierungen sowie neuerliche Systemuntersuchungen stattfinden müssen. Ein solcher Vorsorgeplan reduziert die Schadenshäufigkeit und verlängert die Lebensdauer des Netzes. Im Endeffekt können so erhebliche Kosten eingespart werden, und vor allem erleben BürgerInnen und BetreiberInnen keine bösen Überraschungen durch lange Leitungsstrecken, die plötzlich mit hohen Kostenbelastungen komplett erneuert werden müssen.

VOR SORGEN – eine breite Initiative

Wie wichtig der Erhalt funktionierender Trink- und Abwassersysteme für die Gemeinde, die Stadt, die Region, ja für Wirtschaft, Umwelt und Tourismus im ganzen Land ist, soll den EntscheidungsträgerInnen sowie den BürgerInnen noch stärker bewusst werden. Gemeinsam sollen die Gemeinden, die Länder und auch der Bund die nötigen Erhaltungs- und Sanierungsstrategien formulieren und deren Finanzierung und Umsetzung langfristig sicher stellen.

Das Lebensministerium unterstützt VOR SORGEN daher zusammen mit allen neun Bundesländern sowie dem Städte- und Gemeindebund, dem ÖWAV (Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband) und der ÖVGW (Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach).

Erfahren Sie mehr über die Initiative und besuchen Sie die Website www.wasseraktiv.at/vorsorgen. Dort können Sie auch weitere Detailinformationen zu den Themen Prüfen, Sanieren und Erhalten oder Info-Material wie Folder oder Plakate bestellen.

(Quelle: www.wasseraktiv.at/vorsorgen)