Projektkooperation WV- Wulkatal / AWV Eisenstadt

Die beiden Abwasserverbände WV Wulkatal und AWV Eisenstadt-Eisbachtal setzten in den Jahren 2013-2015 ein Projekt zur Nutzung der im Abwasser und im Klärschlamm enthaltenen Energie gemeinsam um. Sie repräsentieren 26 Gemeinden der Bezirke Eisenstadt, Eisenstadt Umgebung und Mattersburg.

Nach eineinhalb jähriger Bauzeit wurde am 15. Mai 2015 die Anlage feierlich eröffnet. Seither befindet sich die neue Anlage am Areal des Wasserverbandes Wulkatal in Wulkaprodersdorf im Vollbetrieb.

Im Mittelpunkt steht das imposante neue Bauwerk mit den beiden 18 Meter hohen Faultürmen, die ein Fassungsvolumen von insgesamt 5.500 Kubikmetern haben. Über eine 4,5 Kilometer lange Druckleitung wird Klärschlamm von der Kläranlage Eisenstadt zu den Faultürmen in Wulkaprodersdorf transportiert, wo das Endprodukt der Abwasserbehandlung einer ökologisch sinnvollen Nutzung zugeführt wird. Der Klärschlamm aus den Kläranlagen Eisenstadt und Wulkaprodersdorf beginnt in den beiden riesigen Behältern zu fermentieren und produziert dabei Faulgas, das zur Erzeugung von Strom und Wärme verwendet werden kann. Jährlich werden dabei 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, womit ein großer Teil des Strombedarfes der Kläranlage Wulkaprodersdorf abgedeckt werden kann. Dank der Einsparungen im Reinigungsprozess der beiden Kläranlagen und, durch die Nutzung des Ökostroms, finanziert sich die Anlage praktisch von selbst.

Vorteile der gemeinsamen Behandlung des in den Kläranlagen Wulkatal und Eisenstadt anfallenden Klärschlamms:

  • Einsparung von derzeit erforderlichen Stromkosten

  • Gleichzeitig Erzeugung von Strom und Wärme

  • Vermeiden von CO2

  • Verbesserte Klärschlammqualität

  • Kapazitätserweiterung in den Kläranlagen

  • Erhalt von erhöhten Förderungen im Ausmaß von 28 % (8% Bundesförderung, 20 % Landesförderung)

Vortrag zu ÖWAV Klärschlammseminar

Von der energieintensiven aeroben Schlammbehandlung zur anaeroben Schlammbehandlung in Faultürmen

In der Abwasserbehandlung fallen täglich erhebliche Mengen an überschüssigem Schlamm mit hohen organischen Anteilen an. Dieses hoch reaktive Gemisch aus biologischen Abbauprodukten, Biomasse (Belebtschlammbakterien und Einzellern) und mineralischen Bestandteilen ist in einem eigenen Verfahrensschritt, der Schlammbehandlung, derart weiter zu behandeln, dass es nicht mehr fäulnisfähig ist und einer weiteren Verwertung (z.B. der Düngung, oder Kompostierung) zugeführt werden kann.

Vor Projektbeginn erfolgte die Schlammbehandlung in den Kläranlagen Eisenstadt und Wulkatal über die energieintensive Zuführung von Luftsauerstoff, wodurch die verbleibenden organischen Bestandteile abgebaut und mineralisiert wurden.

Eine Schlammfaulung wurde in der Vergangenheit von den Verbänden WV Wulkatal und AWV Eisenstadt immer wieder überlegt und durchgerechnet, scheiterte aber an den hohen Investitionskosten.

Durch die gemeinsamen Schlammbehandlung der Schlämme aus den Kläranlagen Wulkaprodersdorf und Eisenstadt konnten nun die spezifischen Investitionskosten und Betriebskosten so weit gesenkt und der Energieoutput so weit gesteigert werden, dass sich die Realisierung des Projektes finanziell lohnt.

Bei der anaeroben Schlammstabilisierung oder Schlammfaulung wird der organisch hoch reaktive Schlamm in die Faulbehälter geleitet und unter kontrollierten Bedingungen zur Faulung gebracht. Dabei entsteht Faulgas, welches über Gasmotoren in elektrische Energie und Wärme umgewandelt wird.

Das bedeutet, dass im Gegensatz zur vorher angewandten aeroben Schlammstabilisierung Energie gewonnen werden kann, ohne dass erhebliche Mengen an elektrischer Energie hineingesteckt werden müssen.

Vorteile der gemeinsamen Schlammbehandlung

Stromeinsparungen / Stromerzeugung

Durch die Verstromung des anfallenden Faulgases werden ca. 1,4 gWh/a elektrische Energie erzeugt. Dieser Strom kann direkt wieder für die Versorgung der Kläranlage Wulkaprodersdorf herangezogen werden. Somit kann bei gemeinsamer Schlammbehandlung am Standort Wulkatal der Strombedarf der Kläranlage Wulkatal zu einem erheblichen Teil gedeckt werden.

Demgegenüber kann in den beiden Kläranlagen durch Wegfallen der Belüftungsenergie für die aerobe Stabilisierung Strom eingespart werden.

Wärmegewinnung – Beheizung von Betriebsgebäude

Weiters wird Wärmeenergie (Abwärme aus Gasmotoren) erzeugt. Diese Wärme wird für die Beheizung der Faultürme benötigt. Überschusswärme kann für die Beheizung des Betriebsgebäudes der Kläranlage sowie der dort untergebrachten Landesdienststellen Verwendung finden.

CO2-Einsparung – Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen

Eine gemeinsame Schlammbehandlung ist nicht nur vor dem Hintergrund der möglichen Einsparungen interessant. Vielmehr ist im Sinne der Ressourcenschonung darauf hinzuweisen, dass aufgrund der oben genannten Energieeinsparungen auch CO2 im Ausmaß von ca. 1.000 t / Jahr eingespart werden kann, was im Hinblick auf zukünftige Generationen in allen Bereichen des Lebens unerlässlich ist.

Klärschlammverwertung: Volumenreduktion von Klärschlamm – verbesserte Klärschlammqualität

Aufgrund der besseren Stabilisierung des Klärschlammes durch vollständigeren biologischen Abbau, kann die verbleibende Klärschlammmenge um 30% bis 35% reduziert werden. Der Klärschlamm ist daher weniger reaktiv, als bei der aeroben Schlammbehandlung, und führt bei einer landwirtschaftlichen Verwertung zu geringeren Geruchsbelästigungen.

Kapazitätserweiterung der Kläranlagen

Für die derzeit eingesetzte aerobe Schlammstabilisierung werden große Beckenvolumina benötigt, um den Schlamm zu belüften. Diese Beckenvolumina sind bei der Schlammfaulung nicht mehr erforderlich und können für die Abwasserbehandlung herangezogen werden.

Dadurch erhöhen sich die Kapazitäten der Kläranlagen. Hinsichtlich der Kläranlage Eisenstadt erhöht sich die Kapazität von 42.000 Einwohnerwerten (EW) auf bis zu 54.000 EW. Somit können zukünftig erforderliche, sehr kostspielige Kläranlagenerweiterungen vermieden werden. In Anbetracht des derzeitigen Bevölkerungswachstums im Einzugsgebiet der Kläranlage kann damit eine ökonomisch sinnvolle Kapazitätsreserve geschaffen werden.

Bundesförderung / Landesförderung

Durch ein gut funktionierendes Zeitmanagement und enge Zusammenarbeit aller am Projekt beteiligten Akteure von Seiten der Behörden, der Planung und der Politik war es möglich, die noch bis 2012 höheren Förderungen im Ausmaß von 28 % (8% Bundesförderung, 20 % Landesförderung) in Anspruch zu nehmen.

DI Thomas Kögler

Klärschlammverwertung
Landwirtschaftliche Verwertung mit Maschinenring